Rav Uri Scherki

Zum Gebet - Den Verleumdern sei keine Hoffnung

Übersetzung: Rafael Plaut

Von der Webseite Kimizion.org



Der Segensspruch (Bracha) gegen die "Verleumder", auch Minim genannt (siehe Maimonides, Gesetze von der Umkehr, 3.Kap.), die G~ttesleugner, gehörte ursprünglich nicht zum Schmone-Esre (=18) Gebet, sondern wurde zur Zeit von Raban Gamli'el von Schmu'el Hakatan hinzugefügt. Obwohl diese Bracha nicht zur Gebetsordnung gehörte, die die "Weisen der großen Versammlung" bestimmt hatten, reservierten sie ihr dennoch einen Platz, falls einmal die Notwendigkeit für so eine Bracha eintreten sollte. So steht es nämlich im Talmud: "Fragte Raban Gamli'el: Wer weiß die Bracha der G~ttesleugner zu formulieren?" (Brachot 28b). In dieser Ausdrucksweise klingt an, daß die Möglichkeit des Einschubes einer solchen Bracha bereits bekannt war, nur daß man abwartete, bis die richtige historische Gelegenheit kam, um sie festzulegen und einzusetzen.

Ebenfalls debattierten die talmudischen Weisen bezüglich der 18 Segenssprüche des Gebetes, wie sie den 18 G~ttesnamen im Schma-Gebet entsprechen. Dazu fragte der Talmud, wie es sich demnach mit der Bracha "gegen die Verleumder" verhalte (die 19. Bracha)? Und antwortete: Sie entspricht dem Worte "einzig" (echad), das auch als G~ttesname gilt. Es bestand also bereits die Möglichkeit, falls G~ttesleugner einen Vorstoß gegen den Glauben an die Einzigkeit G~ttes machen sollten - so wie die ersten Judenchristen - die nunmehr notwendig gewordene besondere Bracha zur Abwehr des Minäertums einzusetzen.

Allerdings ist die Festlegung eines solchen Segensspruches in zweierlei Hinsicht problematisch. Erstens, weil man für die Formulierung eines Segensspruches heilige Inspiration vom Range der Prophetie braucht, so wie es bei der Bestimmung der ursprünglichen 18 Brachot der Fall war, die unter Beteiligung der letzten Propheten verfaßt wurden. Denn nur wer die Stimme G~ttes gehört hat, weiß, wie man sich an G~tt wendet. Wie sollten sich also die Tannaiten [Rabbiner der Periode von Raban Gamliel] verhalten, als die Prophetie bereits aufgehört hatte? Wie konnten sie eine weitere Bracha komponieren, waren sie doch alle keine Propheten?

Das zweite Problem besteht in dem negativen Inhalt dieser Bracha, die Haß und Abweisung zum Ausdruck bringt, und es bestand die Gefahr, daß der mit ihrer Formulierung Beauftragte nicht absolut frei war in seinem Herzen von natürlichem Haß, und daß er mit seiner Auswahl der Worte auch Leute einbeziehe, die nicht von der Bracha der Minim getroffen werden sollten. Wo war die feine Linie zu ziehen zwischen jemandem, der wirklich Haß verdiente, und jemandem, den man nicht hassen darf?

Bis man Schmu'el Hakatan fand ["der kleine Schmu'el"], der beiden Kriterien entsprach. Er war erstens frei von jeglichem Haß, und zweitens fanden sich bei ihm Reste von prophetischer Gabe. Im Mischnatraktat "Sprüche der Väter" (4,19) schreibt man ihm den Vers zu: "Wenn dein Feind fällt, freue dich nicht, und wenn er strauchelt, juble dein Herz nicht" (Sprüche 24,17), als ob er ihn erfunden hätte: "Schmu'el Hakatan sagt: Wenn dein Feind fällt, freue dich nicht, das soll dich lehren, daß seine Persönlichkeit vollkommen mit diesem Vers harmonierte, ganz und gar ohne jeglichen natürlichen Haß. Er wurde "Schmu'el Hakatan" genannt, weil er nur wenig geringere Fähigkeiten besaß als der biblische Prophet Schmu'el (Talmud jeruschalmi, Sota 9,13), d.h., er war der Prophetie würdig.

"Schmu'el Hakatan" war als Einziger fähig, den Segensspruch gegen die Minim zu formulieren, ohne dabei Haß auf andere Sünder zu provozieren, die nicht zu den Minim gehörten, denn solche gilt es, in Liebe auf den Weg der Tora zurückzuführen, wie Maimonides schrieb (Hil. Mamrim 3.Kap.).

Die Plazierung der Bracha gegen die Minim mitten in den Segenssprüchen, die von der Rückkehr nach Zion handeln, versteht sich von selbst. Besteht doch die wesentliche Behauptung der Minim darin, daß G~tt die Juden verließ und sich eine andere Nation erwählte. Die Rückkehr nach Zion bedeutet aber eine schallende Widerlegung des Minäertums, denn sie offenbart, daß G~tt Israel nicht verlassen hat. Je mehr wir erbaut werden, desto weiter wird das Minäertum aus der Welt gedrängt, wie es heißt: "..doch dich wird der Ewige erstrahlen, und seine Herrlichkeit wird über dir erscheinen" (Jeschajahu 60,2).

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